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Unverfügbares

Moderne Malerei und Neue Musik - Erprobungen des Unverfügbaren

Das Unverfügbare im Fluss der Wolken; das Ziel- und Grundlose ihrer Wandlungen; die Verführung des betrachtenden Ich, sich auf das Unberechenbare einzulassen - im Gleiten einer Sinnschwebe, frei von bildhafter Sinngebung.

Der Ikonoklasmus der als "abstrakt" charakterisierten Malerei verweist auf keinen vorausliegenden Sinn mehr, auf nichts Abwesendes und durch die Malerei erst zu Repräsentierendes. Wie Neue Musik verwandelt auch die Malerei der Gegenwart das Ideal des Schönen in Entwürfe des Offenen, die die Ordnung des Realen provozieren und damit das Verlangen nach Regelung und Überschaubarkeit im Namen einer säkularen Theologie des Sinns quer durch alle Lebensbereiche. Ungünstige Zeiten also für das Ereignis, dessen Qualität des Unverfügbaren den Wunsch von Wahrnehmung und Verstand nach Sinnsättigung irritiert?

Vielleicht hilft die Einsicht, dass Sinn, zu viel logisch codierter Sinn, zu viel postulierter Zusammenhang unfrei machen, ja als Kult des Maximums überfordern kann, indem zumal die Sinn-Codierung durch Effizienz und Funktionalität die Erfahrung des Unverfügbaren als Unverfügbarkeit unserer selbst verhindert. Abrüstung im individuellen Leistungs- und Optimierungsprogramm heißt zu verstehen, dass wir unsrer personalen Monade nie zur Gänze habhaft werden können, eben weil wir nicht der absolute Grund unserer selbst sind. Ästhetische Praxis als Einübung in ein weniger entfremdetes Leben? Warum nicht? Allerdings nur bis an die Grenze, ab der Malerei und Musik selbst zu einem singulären, begriffsresistenten Ereignis werden.

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